Bücherturm Rostock

Der Petriturm von Rostock und der schöne neue Helm oder warum die Rostocker schon immer gern Türme bauen

Guten Tag, liebe Kinder. Mein Name ist Turm. Petri Turm und mein Nachname ist Programm, denn ich bin der Turm der St. Petrikirche in Rostock. Ich stehe in der östlichen Innenstadt und wurde vor über 500 Jahren errichtet (um 1500 herum). Gerüchten zu Folge wurde ein Vorgänger von mir schon 1312 errichtet, aber zu Gunsten einer Befestigungsanlange in Warnemünde wieder abgerissen. Mit meinem wunderschönen Helm, der Kopfbedeckung eines jeden Turms, der etwas auf sich hält, hatte ich leider noch nie besonders viel Glück. Mein erster Helm wurde 1543 durch einen gemeinen Blitzschlag zerstört. Ich kann Euch sagen, das hat ganz schön gezwiebelt auf meinem Kopf. Erst 30 Jahre später bekam ich einen neuen Helm. Das war eine ganz schön zugige Zeit, in der ich oft eine Erkältung hatte. Von den ständigen Kopfschmerzen mal ganz abgesehen…
Der neue Helm war auch längst nicht so hübsch, wie der alte. Nicht mal ein klitzekleiner Wetterhahn war mir vergönnt. Dabei mag ich es sehr, wenn der sich auf meinem Kopf bei Wind und Wetter dreht. Na gut, na gut. Ich musste auch nur 5 Jahre (also bis 1578) auf einen neuen Wetterhahn warten, dann war ich wieder vollständig.
Durch den neuen Helm wurde ich berühmt und durfte in keiner Landkarte fehlen. Man konnte mich und meine Kirche vom Landweg und auch vom Seeweg (die Ostsee ist ja nicht weit entfernt) aus bewundern. Vor Gewittern hatte ich aber, seit meinem ersten Blitzeinschlag, eine Riesenangst. Jedes Unwetter brachte mich zum Zittern und ihr werdet es nicht glauben, aber an einem verregneten Dienstag im Jahre 1581 wurde ich schon wieder von einem Blitz getroffen. Ich hätte heulen können! Nur drei Jahre war ich frisch und vollständig gewesen und dann sowas. Es hat auch etwas gedauert, bis ich wieder vorzeigbar war. Irgendetwas hatten die Blitze wohl gegen mich. Oder aber der Dienstag ist einfach nicht mein Glückstag. Jedenfalls wurde ich am 24. April 1610 abermals von einem Blitz getroffen. Natürlich wieder an einem Dienstag. Aber zum Glück hat es an diesem Tag ganz doll geregnet, so dass keine größeren Schäden entstanden sind.
Wenn ich könnte, würde ich mich ja bei jedem Gewitter irgendwo verstecken, aber leider bin ich fest verbunden mit meiner Kirche. Bei den Blitzeinschlägen von 1652, 1709 und 1718 habe ich dann auch einfach nur noch die Augen zu gemacht und alles über mich ergehen lassen. Aber ehrlich gesagt, bekomme ich immer ganz zittrige Knie, wenn sich in meiner Nähe die Wolken zusammenziehen.
In der Nacht vom 26. April zum 27. April 1942 wurde ich durch lautes Donnern geweckt. Dann gab es einen ohrenbetäubenden Knall und weg war ich. Also so richtig weg. Kein Stein blieb von mir übrig. Mich gab es einfach nicht mehr. Diesmal hatte mich zur Abwechslung kein Blitz getroffen, sondern mehrere Bleigeschosse. Das tat aber nicht weniger weh, soviel kann ich Euch verraten. Ich habe gehört, dass dies auch anderen Türmen aus anderen Städten passiert war. Aber irgendwie tröstet mich das nur ein bisschen. Nach und nach wurde ich zusammen mit meiner Kirche wieder aufgebaut. Meine Kirche bekam neue Fenster und teilweise eine neue Inneneinrichtung und auch ich wurde Stück für Stück wieder erneuert. Aber etwas Entscheidendes fehlte und dreimal dürft ihr raten, was.
Genau! Mein Helm. Wieder musste ich mehrere Jahre auf einen Neuen warten. Und erst im Jahre 1992 wurde endlich damit angefangen, mir meine Kopfbedeckung wieder aufzusetzen. Kennt Ihr eigentlich dieses Geld, von dem immer alle reden? Ich weiß zwar nicht, was das mit mir und meinem Helm zu tun hat, aber scheinbar fehlte ganz viel von diesem Zeug. Und so dauerte es wieder mal ewig, bis ich endlich wieder vollständig war.
Sehr dankbar bin ich aber den Rostockern, die sich dafür stark gemacht haben, dass ich überhaupt einen neuen Helm bekommen habe. Es wurde sogar ein Förderverein (Was ist das eigentlich?) gegründet, damit ich wieder in neuem Glanz erstrahle. Da sind auch ganz witzige Sachen entstanden, zum Beispiel gab es da Petri-Taler, wo man mein wunderschönes Antlitz drauf bewundern konnte oder auch Petri-Sekt, aber darunter kann ich mir eigentlich gar nichts vorstellen. Mehr als eine Million von diesem sogenannten Geld kam zusammen. Ich hab gehört, damals gab es noch anderes Geld als heutzutage. Wer soll da noch durchblicken? Wie auch immer. Seit 1995 habe ich endlich einen neuen wunderschönen Helm, der mir ganz wunderbar steht, wie ich finde. Meine neue Kopfbedeckung hat sogar eine kleine Besonderheit. Bei anderen Türmen findet Ihr normalerweise nur zwei Gauben (das sind kleine Fenster ganz oben im Helm, die meistens noch eine kleine Einbuchtung haben, dort wurden früher die Uhrschlagglocken untergebracht), ich aber habe mit meinem neuem Helm ganze vier Gauben bekommen. Also für jede Himmelsrichtung eine. Hier können Domfalken oder auch Dohlen nach Herzenslust ein Nest bauen und ich amüsiere mich immer wieder über die lustigen Flugversuche von ihrem Nachwuchs.
Ich habe gehört, dass jetzt ein neuer Turm gebaut werden soll. Aber zum Glück nicht, um mich zu ersetzen, sondern einer ganz aus Büchern, so hoch wie ich bin. Toll finde ich diese Idee! Dann kommen mich bestimmt noch mehr Kinder besuchen und erzählen mir vielleicht sogar von den Büchern, die sie gelesen haben. Kommt doch auch mal vorbei, dann könnt ihr gleich meine Kirche und natürlich meinen schicken neuen Helm bewundern. Ich freue mich immer über die staunenden Menschen auf meiner Aussichtsplattform. Hier habt Ihr einen super Ausblick auf Rostock. An schönen Tagen kann man sogar bis zur Ostsee schauen. So, ich muss jetzt meinem Wetterhahn vom Bücherturmbau berichten, bin schon sehr gespannt, was er dazu sagt und ob das wirklich klappen wird.

Also bis bald ihr Bücherturmbauer, euer Petri Turm

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